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LSC-Athletin auf dem Kilimanjaro

Auf dem Dach Afrikas

Tour auf den Kilimanjaro

Anfang Januar 2011 war es tatsächlich soweit: Das lang vorbereitete Abenteuer, die Besteigung des Kilimanjaro, auch das Dach Afrikas mit 5895m genannt, begann für meinen Vater und für mich. Was vor 2 Jahren als lockere Ansage seinen Anfang nahm, wurde nun Realität.

Der erste Schritt der Planung war die Wahl der Route. Wir entschieden uns für die Lemosho Route, welche uns in 8 Tagen von Westen her zum Gipfel bringen sollte. Das bedeutete also für uns, 8 Tage nicht richtig Waschen, trocken werden und dem Wetter auf Verdeih und Gederb ausgeliefert sein. Aber was solls, hakuna matata (keine Sorgen), so was macht man wohl nur einmal im Leben!

Der Rest war schnell unter Dach und Fach: Datum festgelegt, Reisebüro im Internet gefunden, gebucht und die nötige Ausrüstung gekauft. Dann ging im Mai 2010 das Ausdauertraining los.

Am Freitag, den 7.1.2011 ging schließlich unser Flug nach Tansania. Vor dem Bergprogramm gingen wir noch 3 Tage auf Safari, um die Tierwelt zu bestaunen. Wen man schon mal dort ist...

Dienstags morgens, am 11. Januar, wurden wir von unserem Team im Hotel abgeholt und fuhren  zum Londrossi Gate. Den Weg dorthin und zum Startpunkt der Route kann man getrost als den schlechtesten von ganz Tansania beschreiben. Im Regenwald auf 2100m Höhe, natürlich bei Regen, machten wir die ersten Schritte auf dem Weg nach ganz oben. Nach einer halben Stunde Laufen waren wir über und über mit Schlamm bedeckt und so wirklich sollte sich dies im Verlauf der Tour nicht ändern. Mehr als 2 Minuten saubere Hände haben war ein Ding der Unmöglichkeit, hakuna matata.

Unser Aufstieg führte uns am 2. Tag raus aus dem Regenwald, in unser Lager auf ca. 3100m, wo wir das erste Mal leichte Kopfschmerzen hatten. Doch durch viel Essen und Trinken haben wir es in den folgenden Tagen gut in den Griff bekommen. Nachts fielen die Temperaturen schon unter 0° Celsius, sodass der nächtliche Toilettenbesuch eine kalte Sache war.

Die Tage hatten im großen und ganzen den selben Verlauf: Morgens klare Luft und Sonne, beeindruckende Aussichten hoch über den Wolken und auf den Gipfel des Kilimanjaro, brennende Sonne. Gegen Mittag zogen die Wolken hoch, es gab Nebel und Regen. Manchmal auch Hagel, sodass wir ein Spielball des Wetters waren. Aber auch hier sagten wir uns: Hakuna matata! Denn eines war sicher; nach dem 2 stündigen Regen kam nachmittags mit Sicherheit die Sonne wieder raus. Die Nächte waren sehr kalt und sternenklar, aber zum Glück hatten wir warme Schlafsäcke.

Das tägliche Wandern bei immer dünner werdender Luft machte uns keine wirklichen Probleme. O.k., ab einem gewissen Punkt wurde bei einem Schritt ein-, UND ausgeatmet und unser Tempo war scheinbar Schneckentempo und doch kamen wir voran und waren immer im hellen im Camp.

Auf der vorletzten Etappe hoch zum Gipfel, 7-8 Stunden laufen bis auf 4600m, durchquerten wir Geröll- und alte Lavafelder. Es war ein anstrengender Aufstieg bis zum letzten Camp vor dem Gipfelsturm. Im Lager angekommen, bot sich allerdings ein Anblick den ich niemals vergessen werde. Mitten zwischen Geröll und Gesteinsbrocken standen ein paar bunte Zelte um der Natur zu trotzen. In dieser unwirklichen, fast schon lebensfeindlichen Umgebung hoch über den Wolken hatte ich diesen unbedingten Willen, am nächsten Morgen auf dem Uhuru Peak, dem Gipfel des Kilimanjaro, zu stehen und auf die Welt herabblicken zu können.

Noch am selben Tag, nachts um halb zwölf, begann der letzte Teil des Gipfelsturms bei eisiger Kälte. Trotz des Laufens war mir so kalt wie noch nie in meinen Leben, meinem Vater erging es da zum Glück besser. Wir beide waren jedoch froh, als nach den dunklen Stunden der Nacht gegen 6 Uhr die Sonne begann aufzugehen und wir den Gipfel in greifbarer Nähe sahen.

Die letzten Höhenmeter legte ich noch einen Zahn zu, in der Hoffnung dann nicht mehr zu frieren. Diese Hoffnung wurde leider enttäuscht und ich musste den Preis beim Abstieg zahlen, den ich mehr taumeld und torkelnd und mit Hilfe des Guides, als laufend hinter mich brachte. Die Minuten auf dem Gipfel verliefen wie ich Traum; Foto im LSC Trikot machen, etwas umsehen, Papa in den Armen liegen und versuchen das alles in sich aufzunehmen und dann auch schon wieder den Rückweg antreten. Erst zurück im Lager auf 4600m gegen 10 Uhr am Sonntag, den 16.1.2011, begann es zu dämmern, dass wir unseren Traum wahr gemacht hatten und tatsächlich ganz oben waren!

All die Erfahrungen, die wir machen durften, werden uns lebenslang begleiten. Schon erstaunlich, was ein Mensch leisten kann und wie weit man nur mit Laufen kommen kann.

Einen Satz und auch gleichzeitig Lebenseinstellung werden wir auf jeden Fall nie vergessen und auch sicher hier umsetzten: Hakuna matata.

23.02.2011